Schutz gegen Abofallen und App-Abzocke: Drittanbietersperre – Auf der Handyrechnung tauchen in vielen Fällen nicht nur die Kosten für SMS, Gespräche oder Internet auf, sondern in vielen Fällen werden auch Leistungen von Dritten über die Handyrechnung mit abgerechnet. Der Mobilfunk-Anbieter ist in solchen Fällen sozusagen Zahlungsdienstleister für Dritte. Diese Möglichkeit zum Bezahlen ist sehr bequem und wird deswegen auch von vielen Kunden genutzt. Allerdings gibt es oft auch Missbrauch mit dieser Form der Abrechnung: beispielsweise bei sogenannten Abofallen besteht hier die Gefahr, mit einem Klick einen Vertrag abzuschließen, der dann einmalig oder auch dauerhaft über die Handrechnung abgerechnet wird.

Die Abrechnung solcher Abos erfolgt dann oft über die normale Telefonrechnung. Dort tauchen dann die Kosten zwischen den normalen Telefongebühren auf. Wer seine Rechnung nicht regelmäßig genau prüft merkt oft erst nach Wochen oder Monaten, dass dort Abbuchungen zu finden sind die eigentlich nicht dort hin gehören. Die Kündigung solcher Abos ist schwer. Oft wissen die Betroffenen gar nicht, mit welchem Anbieter sie einen Vertrag geschlossen haben und so ist es auch sehr schwer die korrekten Runfnummern oder Ansprechpartner heraus zu finden. Ähnlich wie bei den Klingelton Abos kann es aber auch dem den Smartphone Abos helfen, einfach die bekannten Anbieter mit vorsorglichen Abmeldungen bzw. Kündigungen zu beschicken.

In diesen Fällen hat der Kunden nur die Möglichkeit, sich direkt an den Handyanbieter zu wenden und diese Rechnungsposten zu beanstanden. Früher hatten die Mobilfunk-Anbieter versucht, diese Pflichten auf den Kunden abzuwälzen. Bei BASE bekam man vor einigen Jahren noch den Hinweis:

„Aus unseren Unterlagen geht hervor, dass wir Sie bereits am 14. Dezember 2013 darüber informiert haben, dass Sie sich bitte an den entsprechenden Drittanbieter wenden möchten, um eine eventuelle Gutschrift zu erhalten.“

Mittlerweile hat sich aber die Verbrauchzentrale dem angebommen und gerichtlich geklärt, dass der Mobilfunk-Anbieter durchaus dafür zuständig ist und auch die Pflicht hat, hier mit dem Kunden zusammen zu arbeiten. Im Urteil (Az. 2 O 340/14) vom 26. November 2015 heißt es dazu recht verbraucherfreundlich, dass sich der Verbraucher mit seinen Beanstandungen nicht an den Drittanbieter wenden muss, sondern diese gegenüber dem Mobilfunkanbieter geltend machen kann.

Daher sollte man bei Posten auf der Handyrechnung, die man nicht zuordnen kann oder bei denen man weiß, dass man dafür nicht verwantwortlich ist, sich direkt an den eigenen Mobilfunk-Anbieter wenden. Schwieriger wir es, wenn es gar keine direkt Rechnung gibt. Dann sieht man nur einen immer geringer werdenden Guthabenstand, kann aber nicht zuordnen, warum das Guthaben weniger wird. Man kann aber in jedem Fall beim Anbieter immer auch eine vollständige Rechnungslegung aktivieren. Allerdings funktioniert das nur ab dem Zeitpunkt, an dem man sie aktiviert hat. Alle Abbuchungen davor werden leider nicht erfasst.

Schutz vor Abbuchungen: Drittanbietersperre

Wer erst gar nicht zulassen will, dass Dritte Kosten über die eigenen Handy-Rechnung einziehen, sollte von Anfang an eine sogenannte Drittanbietersperre einrichten. Damit verbieten man vereinfacht gesagt dem eigenen Mobilfunk-Betreiber, Kosten von Dritten abzurechnen. Es dürfen dann nur noch Beträge aus dem normalen Handyvertrag auf der Rechnung erscheinen. Mittlerweile sind auch alle Anbieter verflichtet, auf Wunsch des Kunden eine entsprechende Sperre einzurichten. Allerdings sind die Varianten für die Sperrung bei den meisten Anbietern höchst unterschiedlich:

  • Deutsche Telekom – Die Einrichtung der Drittanbietersperre erfolgt bei der Telekom und bei den meisten D1 Discountern unter der Kurzwahl 2202 oder aus dem Festnetz unter 0800 3 30 22 02 (jeweils kostenlos für Telekom Kunden). Dabei kann man entweder alle Dienstleistungen sperren oder auch nur eine bestimmte Kategorie. Derzeit gibt es drei Kategorien, die man separat sperren kann.
  • Vodafone – Bei Vodafone muss man sich nicht an den Kundenservice wenden, sondern kann bei Bedarf die Sperre direkt selbst einrichten. Dazu loggt man sich mit Nutzername und Passwort im Kundenbereich auf der Webseite von Vodafone ein und kann dann im Menüpunkt mobiles bezahlen die Drittanbietersperre hinterlegen. Auch Vodafone bietet die Mögichkeit zu entscheiden: man kann entweder nur Abos sperren oder nur Einzelkäufe oder auch beides.
  • Telefónica: O2, E-Plus/Base, Fonic und weitere Discounter – Bei den Angeboten und Marken von O2/Telefonica muss man leider auch den Support bemühen, um eine Drittanbietersperren einzurichten. Dabei bietet das Unternehmen dann gleich mehrere Kategorien, die man einzeln oder auch alle sperren kann.
  • Mobilcom-Debitel – Bei MD kann man die Sperre der Abbuchungen von Dritten ebenfalls direkt über den Kundenservice vornehmen. Man nutzt dazu entweder die normale Hotline von MD oder aber die Kurzwahl 22240.
  • Drillisch – Bei den Drillisch Marken (beispielsweise Smartmobil, Maxxim, Simply oder WinSIM) kann man die Drittanbietrsperre ebenfalls über den Kundenservice sperren lassen. Hierzu sollte man den Support des eigenen Anbieters kontaktieren.

Die gesetzlichen Hintergründe der Drittanbietersperre

Der Gesetzgeber hat die das Verfahren der Abrechnung von Leistungen Dritter (und auch deren Sperrung) mittlerweile im Telekommunikationsgestzt §45p geregelt. Dort heißt es:

§ 45p Auskunftsanspruch über zusätzliche Leistungen

(1) Stellt der Anbieter von öffentlich zugänglichen Telekommunikationsdiensten dem Teilnehmer eine Rechnung, die auch Entgelte für Leistungen Dritter ausweist, so muss er dem Teilnehmer auf Verlangen unverzüglich kostenfrei folgende Informationen zur Verfügung stellen:

1. die Namen und ladungsfähigen Anschriften der Dritten,
2. bei Diensteanbietern mit Sitz im Ausland zusätzlich die ladungsfähige Anschrift eines allgemeinen Zustellungsbevollmächtigten im Inland. Die gleiche Verpflichtung trifft auch den beteiligten Anbieter von Netzdienstleistungen.

(2) Der verantwortliche Anbieter einer neben der Verbindung erbrachten Leistung muss auf Verlangen des Teilnehmers diesen über den Grund und Gegenstand des Entgeltanspruchs, der nicht ausschließlich Gegenleistung einer Verbindungsleistung ist, insbesondere über die Art der erbrachten Leistung, unterrichten.

Man hat also Kunden damit in jedem Fall auch einen Auskunftsanspruch an den eigenen Anbieter, wenn Posten Dritter auf die Rechnung auftauchen. Im Zweifelsfall sollte man davon Gebrauch machen.

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